Kurz erklärt: Werden Katzen unsauber, dann ist das kein Protest und keine Trotzreaktion. Die Katze äußert damit ihre Not. Auslöser für Unsauberkeit sind Erkrankungen, Stress und emotionale Belastung.
Gibt es im Haushalt plötzlich eine unsaubere Katze, dann sind Halter*innen häufig geschockt und überfordert. Von einem Tag auf den anderen werden Teppiche, das Sofa oder Bett zur Toilette, und das sonst harmonische Zusammenleben wird zur Belastung. Hier ist es wichtig, dass Du die Ursachen verstehst und strukturiert vorgehst. Denn Unsauberkeit ist kein Protestverhalten, keine Trotzreaktion und keine Bestrafung. Es ist ein Symptom. In diesem Artikel erfährst Du die wichtigsten Gründe für eine Unsauberkeit, ich erkläre Dir notwendige Schritte und gebe Dir praxisnahe Hilfestellung.
Experten-Wissen: Fälle von Unsauberkeit steigen an
Aktuelle Daten zeigen, dass die Fälle von Unsauberkeit zunehmen.
Laut einer Tierärzte-Umfrage aus dem Jahr 2024 berichten 25 % der befragten Tierärzte von einem Anstieg unsauberer Katzen (FINDEFIX). Grund hierfür sind unüberlegte Anschaffungen von Katzen und fehlende Kenntnisse, welche Bedürfnisse die Tiere an ihre Umwelt stellen sowie eine nicht artgerechte Haltung.
Bei etwa 50 % der Katzen zeigen sich körperliche Ursachen (Erkrankungen) für die Unsauberkeit (THIEME-CONNECT).
Als Katzenpsychologin begegne ich dem Thema Unsauberkeit (Kot und Urin) sehr häufig – und fast immer gibt es nachvollziehbare Gründe für das Verhalten: Gesundheitlich, emotional oder sozial.
Wenn die Katze unsauber wird – Urin und Kot als Botschaft
Was ist der Unterschied zwischen Unsauberkeit und Harnmarkieren?
Es ist für Katzenhalter nicht leicht Unsauberkeit und Harnmarkieren zu unterscheiden. Damit die Situation gewissenhaft eingeordnet werden kann ist es für einen Katzenverhaltensberater, und für Tierärzte, wichtig, dass diese unterscheiden können, welches Problem vorliegt.
Unsauberkeit
Harnmarkieren
Warum ist meine Katze plötzlich unsauber?
Ursache Nummer 1: Erkrankungen und Schmerzen
Wenn Katzen unsauber werden, dann liegt zu 85 % ein medizinisches Problem zugrunde. Das Tier hat eine Erkrankung und die Unsauberkeit zeigt, dass sie Schmerzen hat. Häufige Auslöser sind:
In meiner praktischen Arbeit sehe ich häufig, dass altersbedingte Einschränkungen einen erheblichen Einfluss auf die Stubenreinheit haben. Gerade bei älteren Katzen kann die Beweglichkeit eingeschränkt sein, sodass hohe Einstiege oder weit entfernte Toiletten nicht mehr erreichbar sind. Bei der Katzendemenz verspürt die Katze zum Beispiel Harndrang, fängt an zu miauen und läuft häufig unruhig hin und her. Hier hat das Tier schlicht vergessen, wo sich die Katzentoilette befindet.
Bei rund jeder zweiten Katze, die unsauber wird, liegen körperliche Probleme zugrunde oft Harnwegserkrankungen. – Dr. med. vet. Yvonne Förster, Thieme Connect Fachartikel
Eine tierärztliche Untersuchung ist immer der erste Schritt. Nur so lassen sich organische Ursachen für eine Unsauberkeit ausschließen oder behandeln. Eine Blutuntersuchung, Urinanalyse, Ultraschall und Röntgen helfen die Ursache zu finden. Manchmal kann eine neurologische Untersuchung notwendig sein, wenn der Verdacht auf Nervenprobleme besteht, die für die Blasensteuerung verantwortlich sind.
Leider unterschätzen viele Katzenhalter die Bedeutung einer regelmäßigen und frühzeitigen tierärztlichen Abklärung. Ein unbehandelter Harnwegsinfekt kann sich zu einer schmerzhaften, chronischen Blasenentzündung entwickeln. Sind Blasen- oder Struvitsteine verantwortlich, dann können diese lebensbedrohliche Blockaden (Urinstau) verursachen.
| Ursache | Typische Symptome | Maßnahmen / Therapie |
| Harnwegsinfekt, Blasenentzündung | Häufiges Urinieren, Blut im Urin | Antibiotikatherapie, Schmerztherapie |
| Blasensteine, Struvitsteine | Schmerzen, häufige Toilettengänge | Operation oder Schmerztherapie, Diät |
| Arthrose, Gicht, Spondylose, OCD (Osteochondrodysplasie) | Langsames Bewegen, meiden hoher Katzentoiletten | Angepasste Toilette, Schmerztherapie |
Wie erkenne ich, ob meine Katze Schmerzen hat?
Ein grober Überblick
Katzen leiden leise. Bedingt ist dies durch die „natürliche Ordnung“, denn Katzen sind selber Beutetiere. Jedes Anzeichen von Schwäche kann für sie bedeuten, dass sie von einem Artgenossen, oder einem anderen Tier, verletzt werden, was für sie das sichere Ende bedeutet. Es ist zudem ein natürliches Verhalten bei Katzen, das Artgenossen, die krank sind (wahrnehmbar am Geruch und dem Verhalten) „gemobbt“ werden. Das ist nicht bösartig, sondern natürlich. Jedoch geht es in einem zivilisierten Umfeld darum ein krankes Tier zu schützen. Dies ist die Aufgabe des Halters.
Was sind häufige Anzeichen für Schmerzen bei Katzen?
Die hier genannten Punkte sind nur ein Ausschnitt zur Orientierung! Es gibt noch mehr Anzeichen dafür, dass eine Katze Schmerzen hat. Wenn Du Dir unsicher bist, dann nutze die App FELINE GRIMACE SCALE. In den nächsten Wochen wird ein zusätzlicher Artikel zum Thema Schmerzen veröffentlicht. Schau doch bei Gelegenheit noch einmal hier vorbei.
Ursache Nummer 2: Stress, Angst und emotionale Belastung
Erkrankungen und psychische Faktoren sind die häufigsten Auslöser dafür, dass Katzen unsauber werden. Was sind häufige Stressoren, die Katzen derart belasten?
Katzen sind Gewohnheitstiere, und bereits kleine Veränderungen, wie ein neues Möbelstück oder veränderte Fütterungszeiten, können zu Unsicherheit führen und eine Unsauberkeit auslösen. Je nach Charakter und Erfahrungen variiert der Grad der Unsauberkeit. Eine Katze sendet damit eine klare Botschaft: Etwas in ihrem Umfeld stimmt nicht!
Stress ist der Auslöser Nummer Eins für Unsauberkeit bei Katzen, noch vor medizinischen Ursachen. – Dr. med. vet. Heike Heinecke, Tierarztpraxis Heinecke
Stehen Katzen unter Stress, dann zeigt sich dies durch Verhaltensänderungen: Vermehrtes Putzen bis hin zur psychogenen Alopezie, Rückzug, Aggression oder unsauberes Verhalten. Einige Katzen fangen an bestimmte Räume zu meiden oder sie markieren verstärkt ihr Revier. Gerade in Mehrkatzenhaushalten spielen Revierkonflikte eine sehr große Rolle.
In diesem Zusammenhang ist eine genaue Beobachtung des zeitlichen Zusammenhanges wichtig. Genaue Beobachtungen können helfen geeignete Gegenmaßnahmen zu entwickeln, wenn gesundheitliche Ursachen ausgeschlossen wurden, beziehungsweise wenn feststeht, welche Erkrankung vorliegt. Eine gezielte Haltungsberatung für Katzen minimiert den Stress im Mehrkatzenhaushalt und kann weiteren Problemen vorbeugen.
Unpassendes Katzentoiletten-Management
Ein häufiger Grund, warum Katzen zu Unsauberkeit neigen, ist die vorhandene Katzentoilette. In der professionellen Katzenverhaltensberatung gibt es eine bewährte Faustregel zur Anzahl der Katzentoiletten, die unbedingt vorhanden sein sollten. Diese hat sich in der Praxis immer wieder bewährt:
Anzahl der Katzentoiletten: Anzahl der Katzen + 1
Das bedeutet: Bei 1 Katze = 2 Toiletten, bei 2 Katzen = 3 Toiletten, bei 3 Katzen = 4 Toiletten usw.
Katzen setzen Kot und Urin nicht am gleichen Ort ab – Auch Wohnungskatzen behalten dieses natürliche Verhalten bei. Eine ausreichende Anzahl an Katzentoiletten hilft ihnen sich wohlzufühlen und vermeidet das Auftreten von Unsauberkeit.
Art der Toiletten: Artgerecht sind offene Toiletten, die auch die meisten Katzen bevorzugen. Gerade in Mehrkatzenhaushalten ist diese Form zu empfehlen, um Klobmobbing zu minimieren.
Größe der Katzenklos: In praktischen Beratungen sehe ich immer wieder, dass die Größe nicht ausreicht. Nur eine ausreichend große Katzentoilette ermöglicht der Katze ein artgerechtes Verhalten wie drehen, scharren, aufrichten, verbuddeln und den Schwanz ausstrecken. Als Maßstab gilt: Länge der Katze vom Hals bis zur Schwanzspitze x 1,5.
Die Katzenstreu: Die Streu sollte unparfümiert und fein sein. Damit entspricht sie den natürlichen Vorlieben, da Katzen gerne Sand und Erde für ihr Geschäft nutzen. Auch die Streuhöhe sollte ausreichend sein, damit Hinterlassenschaften naturgemäß verbuddelt werden können. Parfümierte Streu ist für Katzen-Nasen eine Tortur. Sie riechen wesentlich besser und sind dadurch einer ständigen Geruchsbelästigung ausgesetzt.
Reinigung und Hygiene: Katzen sind sehr saubere Tiere. Sie vermeiden es in den eigenen Kot oder Urin zu treten, bzw. in die Hinterlassenschaften von Artgenossen. Ist es nicht möglich eine saubere Toilette vorzufinden, dann suchen sie sich einen anderen Ort. Katzentoiletten sollten täglich mindestens 2 x von Urin und Kot gereinigt werden. Alle 2 – 4 Wochen sollte eine komplette Reinigung durchgeführt werden: Alte Katzenstreu entfernen, mit heißem Wasser und Neutralreiniger auswaschen, heiß nachspülen, abtrocknen und mit neuer Streu befüllen.
Standort: Unterschätzt wird der Ort, an dem die Katzenklos platziert werden. Katzen bevorzugen ruhige Orte mit einer guten Übersicht. In der praktischen Katzenberatung sehe ich häufig, dass die Toiletten ungünstig gestellt werden. Ungeeignete Standorte sind:
| Problem | Auswirkung | Lösung |
| Zu wenige Toiletten | Konflikte, Ausweichverhalten an andere Orte zum Urin- und/oder Kotabsatz | Pro Katze 1 Toilette + 1 extra |
| Unsaubere Toilette | Meiden der Toilette, Ausweichen auf andere Orte für den Urin- und/oder Kotabsatz | Reinigung mindestens 2x pro Tag (Urin und Kot entfernen), alle 14 Tage – 4 Wochen komplette Reinigung |
| Falsche Streu | Unwohlsein, Verweigerung | Streu wechseln, unparfümiert, sehr fein |
| Falsches Toilettenmodell | Panik, meiden der Toilette, Ausweichverhalten | Mehrere Modelle testen, Größe beachten |
| Falscher Standort | Meiden der Toilette, Ausweichverhalten, Panik | Standort wechseln |
Mit zunehmendem Alter oder bei körperlichen Beschwerden kann die Benutzung mancher Katzentoiletten zu Schmerzen führen, so dass die Katze diese meidet.
Katzen sind individuelle Lebewesen mit eigenen Vorlieben und Abneigungen. Diese werden unter anderem vom Charakter, Lernerfahrungen, Alter und körperliche Verfassung geprägt. In einer Beratung höre ich häufig den Satz: „Die Katzentoilette wurde doch bisher immer problemlos genutzt.“ Aber warum ist das so?
Katzen sind sehr anpassungsfähig. Bevor sie ihr eigenes Revier beschmutzen, nehmen sie über längere Zeit Unannehmlichkeiten in Kauf. Mit zunehmendem Alter oder bei körperlichen Beschwerden, z.B. durch Gelenkprobleme, kann die Benutzung mancher Katzentoiletten schmerzhaft werden. Hohe Einstiege oder enge Formen stellen eine zusätzliche Belastung dar.
Um Schmerzen zu vermeiden, sucht sich die Katze einen anderen Ort, an dem der Urin- oder Kotabsatz weniger schmerzhaft ist. Dieses Verhalten ist absolut nachvollziehbar, und kein Ausdruck von Trotz, Protest oder Unwillen, sondern eine Anpassung an veränderte, körperliche Bedürfnisse.
Erstmaßnahmen für Halter bei einer unsauberen Katze
Zeigt eine Katze Unsauberkeit, dann sollte vorab immer eine Untersuchung beim Tierarzt stehen: Denn jede Optimierung ist sinnlos, solange das Hauptproblem nicht beseitigt ist: Die Schmerzen. Zusätzlich ist immer Geduld und Verständnis gefragt. Deine Katze ist nicht unsauber aus Trotz oder Bosheit. Strafen sind ein absolutes NoGo. Deine Katze spricht mit Dir: Sie versucht Dir zu sagen, dass es ihr nicht gut geht!
Regelmäßige, jährliche Vorsorgeuntersuchungen und eine katzenfreundliche Wohnungsgestaltung helfen Unsauberkeit zu vermeiden. Durch umfassende Beschäftigung und feste Routinen wird Stress minimiert. Eine gute Vorbeugung beginnt schon bei dem Einzug einer Katze, indem dieser ein artgerechtes Leben möglich gemacht wird. Stehen Veränderungen im Haushalt an, dann sollten diese schrittweise erfolgen.
Professionelle Hilfe bei Unsauberkeit
Bleibt die Katze unsauber, obwohl keine medizinischen Ursachen vorliegen, dann ist eine Katzenverhaltensberatung sinnvoll. Ein wichtiges Kriterium ist die Dauer des Problems. Umso früher Hilfe geholt wird, umso schneller geht es der betroffenen Katze und dem Halter wieder besser, die Situation entspannt sich und ein harmonisches Zusammenleben ist wieder möglich.
Unsauberkeit ist ein Warnsignal und ein Zeichen dafür, dass es der Katze nicht gut geht. Wer die Ursachen erkennt und gezielt handelt, kann die Lebensqualität von Katze und Mensch verbessern. Durch ein strukturiertes Vorgehen, Geduld und mit der richtigen Unterstützung entwickelt sich wieder ein Umfeld, in dem es Mensch und Tier gut geht.