eine unsaubere katze hat kot vor und nicht in der katzentoilette abgesetzt

Wenn die Katze unsauber wird – Unsauberkeit als Botschaft

Kurz erklärt: Werden Katzen unsauber, dann ist das kein Protest und keine Trotzreaktion. Die Katze äußert damit ihre Not. Ausgelöst wird Unsauberkeit durch Erkrankungen, Stress, emotionale Belastung.
Claudia Riegler – Harmonie Katzenpsychologie

Gibt es im Haushalt plötzlich eine unsaubere Katze, dann sind die Halter*innen häufig überfordert und geschockt. Von einem Tag auf den anderen werden Teppiche, das Sofa oder Bett zur Toilette, und das sonst harmonische Zusammenleben wird zur Belastung. Hier ist es wichtig, dass du die Ursachen verstehst und strukturiert vorgehst. Denn Unsauberkeit ist kein Protestverhalten, keine Trotzreaktion und keine Bestrafung. Es ist ein Symptom. In diesem Artikel erfährst du die wichtigsten Gründe für eine Unsauberkeit, ich erkläre dir notwendige Schritte und geben dir praxisnahe Hilfestellung.

Aktuelle Daten zeigen, dass die Thematik immer mehr zunimmt. Laut einer Tierärzte-Umfrage aus dem Jahr 2024 berichten 25 % der befragten Tierärzte von einem Anstieg unsauberer Katzen (FINDEFIX). Bei etwa der Hälfte sind körperliche Ursachen beteiligt (Thieme Connect). Als Katzenpsychologin begegne ich dem Thema Unsauberkeit sehr häufig – und fast immer gibt es nachvollziehbare Gründe für dieses Verhalten: Gesundheitlich, emotional oder sozial.

Was ist der Unterschied zwischen Unsauberkeit und Harnmarkieren?

Ein häufiger Irrtum ist die Verwechslung von Unsauberkeit und Markierverhalten. Hier erfährst du den Unterschied:

Unsauberkeit

  • größere Urinmengen
  • meist auf Böden, Teppichen, Betten oder Sofas (waagerechten Flächen),
  • oft mit Stress, Unsicherheit oder gesundheitlichen Problemen verbunden.
  • Der Urin wird hier in hockender Stellung abgesetzt, so, als wenn die Katze „normal“ die Toilette benutzt.

Harnmarkieren

  • kleine Urinmengen
  • meist an senkrechten Flächen wie Wänden, Möbeln, Türrahmen etc.,
  • wird genutzt zur Revierkommunikation,
  • häufig bei Unsicherheit oder sozialen Konflikten,
  • Der Absatz erfolgt meist in stehender Haltung, häufig mit zitterndem, nach oben gerichtetem Schwanz und tretenden Hinterbeinen.

Diese Unterscheidung ist wichtig, da Ursachen und Lösungsansätze für das Verhalten unterschiedlich sind.

Warum werden Katzen unsauber?

Oft zeigt sich ein medizinisches Problem, wenn eine Katze unsauber wird. Häufige Auslöser sind:

  • Harnwegsinfekte wie Blasenentzündungen,
  • Blasensteine, Struvitsteine,
  • FORL (Feline odontoklastische Resorptive Läsionen),
  • Nierenerkrankungen,
  • Verdauungsprobleme,
  • Bauchspeicheldrüsenentzündungen,
  • Schmerzen durch Arthrose, Gicht, Spondylosen,
  • Alterserscheinungen wie Katzenalzheimer.

In meiner Praxis sehe ich häufig, dass altersbedingte Einschränkungen einen erheblichen Einfluss auf die Stubenreinheit haben. Gerade bei älteren Katzen kann die Beweglichkeit eingeschränkt sein, sodass hohe Einstiege oder weit entfernte Toiletten nicht mehr erreichbar sind. Bei der Katzendemenz verspürt die Katze zum Beispiel Harndrang, fängt an zu miauen und ist verzweifelt. Sie hat hier schlicht vergessen, wo sich die Katzentoilette befindet.

Bei rund jeder zweiten Katze, die unsauber wird, liegen körperliche Probleme zugrunde, oft Harnwegserkrankungen.— Dr. med. vet. Yvonne Förster, Thieme Connect Fachartikel

Eine tierärztliche Untersuchung ist deshalb immer der erste Schritt. Nur so lassen sich organische Ursachen für eine Unsauberkeit ausschließen oder behandeln. Eine Blutuntersuchung, Urinanalyse, Ultraschall und Röntgen helfen die Ursache zu finden. Manchmal kann eine neurologische Untersuchung notwendig sein, wenn der Verdacht auf Nervenprobleme besteht, die für die Blasensteuerung verantwortlich sind.

Leider unterschätzen viele Halter*innen die Bedeutung einer frühzeitigen, tierärztlichen Abklärung. Ein unbehandelter Harnwegsinfekt kann sich zu einer schmerzhaften, chronischen Blasenentzündung entwickeln. Sind Blasen- oder Struvitsteine verantwortlich, dann können diese lebensbedrohliche Blockaden (Urinstau) verursachen.

UrsacheTypische SymptomeEmpfohlene Maßnahme
Harnwegsinfekt, BlasenentzündungHäufiges Urinieren, Blut im UrinAntibiotikatherapie, Schmerztherapie
Blasensteine, StruvitsteineSchmerzen, häufige ToilettengängeOperation oder Diät, Schmerztherapie
Arthrose, Gicht, SpondyloseLangsames Bewegen, Meiden hoher KatzentoilettenAngepasste Toilette, Schmerztherapie

Quelle: Thieme Connect

Halter*innen, die diese möglichen Ursachen kennen, können schneller reagieren. Vor allem bei älteren Katzen lohnt es sich, Toiletten mit niedrigen Einstiegen bereit zu stellen und sie strategisch in der Wohnung zu platzieren. Bei Entzündungen sollte die Katzenernährung angepasst werden. Das Vermeiden von Trockenfutter, und höhere Portionen Nassfutter, sorgen für einen besseren Feuchtigkeitshaushalt, so dass Blase, Nieren etc. besser gespült werden.

Stress, Angst und emotionale Belastung als Auslöser für eine unsaubere Katze

Körperliche Probleme und psychische Faktoren sind die häufigsten Auslöser für eine Unsauberkeit bei Katzen.

Häufige Stressoren:

  • Umzug,
  • neue Möbel,
  • neue Katze oder ein anderes Haustier, neue Bezugspersonen, Familienzuwachs,
  • Veränderungen im Tagesablauf,
  • Konflikte zwischen Katzen, Katzenmobbing, Revierstreitigkeiten,
  • nicht kastrierte Katzen und Kater,
  • überfüllte Katzengruppen auf zu wenig Raum,
  • Trauer um einen verstorbenen Artgenossen oder Bezugsperson,
  • Eingeschränkter Freigang nach vorheriger Freigängerhaltung,
  • Langeweile oder Depression, Eifersucht,
  • Fehlende geistige oder körperliche Beschäftigung,
  • Einsamkeit (kein Artgenosse oder zu wenig Zeit mit dem Besitzer*in),
  • laute Geräusche oder Besuch

Katzen sind Gewohnheitstiere, und bereits kleine Veränderungen, wie ein neues Möbelstück oder veränderte Fütterungszeiten, können zu Unsicherheit führen und eine Unsauberkeit auslösen. Je nach Charakter und Erfahrungen variiert der Grad der Unsauberkeit. Die Katze sendet damit eine klare Botschaft: Etwas in ihrem Umfeld stimmt nicht!

Stress ist der Auslöser Nummer Eins für Unsauberkeit bei Katzen, noch vor medizinischen Ursachen.— Dr. med. vet. Heike Heinecke, Tierarztpraxis Heinecke

Stress zeigt sich häufig durch andere Verhaltensänderungen: vermehrtes Putzen bis hin zur psychogenen Alopezie, Rückzug oder Aggression. Einige Katzen fangen an bestimmte Räume zu meiden oder sie markieren verstärkt ihr Revier. Gerade in Mehrkatzenhaushalten spielen Revierkonflikte eine große Rolle.

In diesem Zusammenhang ist eine genaue Beobachtung des zeitlichen Zusammenhanges wichtig. Dies kann helfen gezielte Gegenmaßnahmen zu entwickeln, wenn gesundheitliche Probleme ausgeschlossen wurden beziehungsweise feststeht, welche Erkrankung vorliegt. Eine gezielte Haltungsberatung für Katzen minimiert Stress in Mehrkatzenhaushalten und kann zusätzlich weiteren Problemen vorbeugen.

Probleme mit der Katzentoilette

Ein weiterer Grund, warum Katzen zu Unsauberkeit neigen, ist die Katzentoilette. In der Verhaltensberatung gibt es eine bewährte Faustregel zur Anzahl der Toiletten, die unbedingt vorhanden sein sollten. Diese hat sich in der Praxis immer wieder bewährt:

Anzahl der Katzen + 1. Das bedeutet bei 1 Katze = 2 Toiletten, bei 2 Katzen = 3 Toiletten, bei 3 Katzen = 4 Toiletten usw.

Katzen setzen Kot und Urin nicht am gleichen Ort ab – Auch Wohnungskatzen behalten dieses natürliche Verhalten bei. Eine ausreichende Anzahl an Toiletten hilft ihnen sich wohlzufühlen und vermeidet Unsauberkeit.

Die meisten Katzen bevorzugen offene Toiletten (außer ängstliche, unsichere Katzen). Zusätzlich spielt die Größe der Toilette eine Rolle (Länge der Katze vom Hals bis zur Schwanzspitze x 1,5). Nur eine ausreichend große Katzentoilette ermöglicht artgerechtes Verhalten wie drehen, scharren, aufrichten, verbuddeln, Schwanz ausstrecken.

Die Streu sollte unparfümiert und fein sein. Damit entspricht sie den natürlichen Vorlieben von Katzen, da diese gerne Sand oder Erde für ihr Geschäft nutzen. Auch die Streuhöhe sollte ausreichend sein, damit Hinterlassenschaften naturgemäß verbuddelt werden können.

Katzen sind sehr reinliche Tiere. Sie vermeiden es in eigenen Urin oder Kot zu treten, oder in den von Artgenossen. Ist dies nicht möglich, dann suchen sie sich einen anderen Ort. Katzentoiletten sollten mindestens 2x täglich von Urin und Kot gereinigt werden. Alle 2-4 Wochen sollte einen komplette Reinigung erfolgen: Alte Katzenstreu entfernen, mit heißem Wasser und Neutralreiniger reinigen, heiß auswaschen, abtrocknen und mit neuer Katzenstreu befüllen.

Unterschätzt wird der Standort der Katzentoiletten, denn Katzen bevorzugen ruhige Orte mit einer guten Übersicht. In der Praxis sehe ich häufig, dass die Toiletten ungünstig platziert werden. Diese Standorte sind nicht geeignet:

  • in Ecken, Nischen, kleinen Abstellräumen mit wenig Platz,
  • unruhige Bereiche mit vielen Menschen oder anderen Tieren,
  • neben Futterstellen oder Hundekörbchen,
  • in Durchgangsbereichen,
ProblemAuswirkungLösung
Zu wenige ToilettenKonflikte, Ausweichverhalten an andere Orte zum Urin- und KotabsatzPro Katze eine Toilette + 1 extra
Unsaubere ToiletteMeiden der ToiletteReinigung mind. 2x pro Tag
Falsche StreuUnwohlsein, VerweigerungStreu wechseln
Falsches ToilettenmodellPanik, Meiden der Toilette, AusweichverhaltenMehrere Modelle testen
Falscher StandortMeiden der Toilette, Ausweichverhalten, PanikStandort wechseln (ruhige Orte)
Mit zunehmendem Alter oder bei körperlichen Beschwerden kann die Benutzung mancher Katzentoiletten zu Schmerzen führen, so dass diese gemieden werden.
Claudia Riegler – Harmonie Katzenpsychologie

Katzen sind individuelle Lebewesen mit eigenen Vorlieben und Abneigungen. Diese werden unter anderem durch Charakter, Lernerfahrungen, Alter und körperliche Verfassung geprägt. In der Beratung höre ich häufig den Satz: „Die Katzentoilette wurde doch bisher immer problemlos genutzt.“ Aber warum ist das so?

Katzen sind sehr anpassungsfähig. Bevor sie ihr eigenes Revier beschmutzen, nehmen sie über längere Zeit Unannehmlichkeiten in Kauf. Mit zunehmendem Alter oder bei körperlichen Beschwerden, z.B. durch Gelenkprobleme, kann die Benutzung mancher Katzentoiletten schmerzhaft werden. Hohe Einstiege oder enge Formen stellen eine zusätzliche Belastung darf.

Um Schmerzen zu vermeiden, sucht sich die Katzen einen anderen Ort, an dem der Urin- oder Kotabsatz weniger schmerzhaft ist. Dieses Verhalten ist absolut nachvollziehbar, und kein Ausdruck von Trotz, Protest oder Unwillen, sondern eine Anpassung an veränderte, körperliche Bedürfnisse.

Erstmaßnahmen für Halter bei Unsauberkeit

  1. Tierärztliche Untersuchung – medizinische Ursachen ausschließen.
  2. Mehr Toiletten bereitstellen, ruhige Standorte wählen.
  3. Toilettenhygiene optimieren, tägliche Reinigung.
  4. Stressquellen reduzieren, Rückzugsorte schaffen, Haltung optimieren.
  5. Verhaltensberatung, frühzeitig Hilfe holen. Mehr dazu findest du auf der Seite Verhaltensberatung für Katzen.

Vorab sollte immer die Untersuchung beim Tierarzt stehen: Denn jede Optimierung ist sinnlos, solange das Hauptproblem nicht beseitigt wird: Die Schmerzen. Zusätzlich ist immer Geduld und Verständnis gefragt. Deine Katze ist nicht unsauber aus Trotz oder Bosheit. Strafen sind ein absolutes NoGo. Deine Katze spricht mit dir: Sie versucht dir zu sagen, dass es ihr nicht gut geht!

Regelmäßige, jährliche Vorsorgeuntersuchungen und einen katzenfreundliche Wohnungsgestaltung helfen Unsauberkeit zu vermeiden. Durch umfassende Beschäftigung und feste Routinen wird Stress minimiert. Eine gute Vorbeugung beginnt schon bei dem Einzug einer Katze, indem dieser ein artgerechtes Leben möglich gemacht wird. Stehen Veränderungen im Haushalt an, dann sollten diese schrittweise erfolgen.

Professionelle Hilfe bei bestehender Unsauberkeit

Bleibt die Katze unsauber, obwohl keine medizinischen Ursachen vorliegen, dann ist eine Katzenverhaltensberatung sinnvoll. Ein wichtiges Kriterium ist die Dauer des Problems. Umso früher Hilfe geholt wird, umso schneller geht es der betroffenen Katze und dem Halter*in wieder besser, die Situation entspannt sich und ein harmonisches Zusammenleben ist wieder möglich.

Unsauberkeit ist ein Warnsignal und ein Zeichen dafür, dass es der Katze nicht gut geht. Wer die Ursachen erkennt und gezielt handelt, kann die Lebensqualität von Katze und Mensch verbessern. Durch ein strukturiertes Vorgehen, Geduld und mit der richtigen Unterstützung entwickelt sich wieder ein Umfeld, in dem es Mensch und Tier gut geht.

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