Das Fauchen bei Katzen – Verhalten zwischen Angst und Abwehr und was es wirklich bedeutet
Kurz erklärt: Fauchen ist ein normales Kommunikationssignal von Katzen. Es zeigt den Wunsch nach Abstand und tritt häufig bei Stress, Unsicherheit oder körperlichem Unwohlsein auf.
Wenn Katzen fauchen, dann sind viele Halter*innen verunsichert oder verängstigt. Das Fauchen ist ein starkes, akustisches Signal, das durch die natürlichen Instinkte der Katze ausgelöst wird und mit einer klaren, universellen Körpersprache sagt:
„Geh weg und respektiere meine Grenzen.“
In diesem Artikel erfährst du:
- was Fauchen bedeutet,
- welche Ursachen das Verhalten auslösen,
- wie du die Körpersprache richtig deutest,
- wie du entspannt und respektvoll reagierst
- und wann professionelle Hilfe sinnvoll ist.
Was bedeutet das Fauchen bei Katzen wirklich?
Fauchen ist ein kommunikatives Warnsignal, hinter dem kein „böses“ oder „aggressives“ Verhalten steht. Es dient nur dazu, Abstand zu schaffen und potenzielle Bedrohungen, ohne körperlichen Konflikt, zu vermeiden. In der Natur ist Fauchen ein etabliertes Mittel, um Gefahren abzuwehren – Ein Zeichen, das sich im Laufe der Evolution entwickelt hat. Fauchen ist somit ein Abwehrsignal und keine aggressive Reaktion. Es dient dem eigenen Schutz und soll eine Auseinandersetzung vermeiden.
Fauchen wird durch die Körpersprache der Katze verstärkt. Hier zeigt sich häufig:
- ein gekrümmter, nach oben gebogenen Rücken,
- gesträubtes Fell,
- angelegte Ohren,
- starrer Blick,
- zurückgezogene Körperhaltung,
- leicht geöffnetes Maul, aus dem der fauchende Laut deutlich hervorgeht.
Fauchen ist eine klare Distanzaufforderung. Die Katze möchte, dass der Auslöser sich zurückzieht, und das sollte respektiert werden.— Dr. Julia Fritz, HNA.de
Katzen setzen das Fauchen aus unterschiedlichen Gründen ein: zur Verteidigung, aus Angst oder um Grenzen aufzuzeigen. Es ist wichtig zu verstehen, dass es sich nicht um „bösartiges Verhalten handelt, sondern um eine Form der Kommunikation.
In manchen Fällen ist es sogar ein Zeichen von Selbstschutz. Wer dieses Signal ignoriert, riskiert eine Eskalation. Wenn Katzen fauchen, dann soll das Gegenüber Abstand halten, bzw. diesen vergrößern. Wenn du diesen Hinweist deiner Katze abtust und icht respektierst, dann hat sie nur zwei Möglichkeiten: Angriff oder Flucht! Deshalb ist ein sensibles Verständnis entscheidend, um das Vertrauen der Katze zu erhalten. Wird der Wunsch der Katze nach Abstand dauerhaft ignoriert, dann reagiert sie im weiteren Verlauf mit Meideverhalten, Angst oder sogar Aggressivität. Katzen zu halten bedeutet sie zu akzeptieren. Auch ihren Wunsch nach Abstand!
Häufige Ursachen warum Katzen fauchen
Das Verhalten kann viele Auslöser haben. Katzenexperten und aktuelle Studien aus 2024/2025 nennen vor allem diese Gründe:
- Angst oder Unsicherheit, Neue Menschen, Veränderungen im Umfeld oder ungewohnte Situationen,
- Stress, ausgelöst durch Umzüge, neue Mitbewohner oder laute Geräusche.
- Schmerzen oder gesundheitliche Probleme, Körperliche Beschwerden können Stress und Abwehrverhalten verstärken. Eine tierärztliche Abklärung ist wichtig, wenn du Schmerzen vermutest,
- Überreizung, Zu lange Streicheleinheiten, hektisches, bedrohliches Spiel, zu viel Nähe oder unterbrochene Ruhephasen können Auslöser sein,
- Revierverteidigung, besonders in Mehrkatzenhaushalten.
| Ursache | Beispiel | Häufigkeit |
|---|---|---|
| Angst | Fremde Menschen, fremde Tiere, ungewohnte Situationen | Hoch |
| Stress | Umzug, neue Mitbewohner, laute Geräusche | Mittel |
| Schmerz | Zahnprobleme, Arthrosen, Blasenentzündungen etc. | Hoch |
| Überreizung | Zu langes Spielen, zu langes Streicheln, unterbrochene Ruhephasen | Mittel |
| Revierverteidigung | Neue Katze im Haus, viele Katzen auf engem Raum | Hoch |
Die oben genannten Auslöser treten häufig in Kombination auf. Beispielsweise kann eine schmerzgeplagte Katze bei einem lauten Geräusch sofort in Abwehrhaltung gehen. Dies rührt daher, weil das Tier, durch die Schmerzen, bereits unter Dauerstress steht und „überreizt“ ist. In diesen Fällen braucht es nur einen kleinen, weiteren Auslöser, um ein Fauchen oder eine aggressive Reaktion auszulösen.
Laut einer Studie des Instituts für Tierverhalten München reagieren rund 72 % der Katzen unter Stress schneller mit Fauchen. Außerdem können Veränderungen im Alltag, wie das Umstellen von Möbeln, zu vermehrtem Fauchen führen. Bedingt durch eine ausgelöste Unsicherheit der Katze.
Katze faucht andere Katze nach dem Tierarzt an
Nach einem Tierarztbesuch kann veränderter Geruch, oder anderes Verhalten, dazu führen, dass Katzen einander als fremd wahrnehmen und Distanz durch Fauchen herstellen.
Nach einem Tierarztbesuch kommt es häufig vor, dass eine Katze von einem Artgenossen angefaucht oder gemieden wird. Der Grund hierfür ist ein veränderter Geruch. Beim Tierarzt nimmt die Katze den Geruch von fremden Tieren, Desinfektionsmitteln, Medikamenten und den dort arbeitenden Menschen an. Für die anderen Katzen riecht sie dadurch „nicht mehr vertraut“ sondern fremd. Es ist eine fremde, nicht bekannte Katze.
Katzen orientieren sich stark am gemeinsamen Gruppen- und Reviergeruch. Ist dieser plötzlich verändert, kann die betroffene Katze als fremd wahrgenommen werden. Das Fauchen dient in der Situation der Distanzschaffung und ist kein Zeichen von Aggression.
EMPFEHLUNG: Ein veränderter Geruch, ein veränderter Gang (durch Narkose) oder ein anderes Aussehen (Halskrause) kann zu aggressivem Verhalten führen. Gerade, wenn sich eine Katze bedrängt fühlt. Nach einem Tierarztbesuch sollten die Katzen für 24 Stunden getrennt werden. Dadurch kann sich die betroffene Katze putzen (den eigenen Geruch annehmen), Stress abbauen und sich erholen. Das reduziert die Gefahr von Angriffen und eine intakte Beziehung bleibt freundschaftlich.
Fauchen bei einer neuen Katze im Haushalt
Zieht einen neue Katze in den Haushalt ein, dann kann es zu Fauchen bei der vorhandenen, aber auch bei der neuen Katze kommen. Die Ursache ist meistens Unsicherheit durch eine plötzliche Veränderung in der sozialen Struktur. Grundsätzlich sind Katzen Reviertiere und territorial orientiert. Sie reagieren sensibel und ängstlich auf Veränderungen. Jede weitere Katze ist ein Rivale, der das Revier streitig macht und eine Gefahr für Körper und Leben darstellt.
Fauchen dient der Abgrenzung und ist ein normales Kommunikationssignal. Es sagt aus: “ Komm mir nicht zu nahe, ich kenne dich nicht! “ Entgegen der üblichen Meinung sind Katzen nicht grundsätzlich erfreut über einen Artgenossen, denn Katzen sind Einzelgänger und Einzeljäger. Wie gut sich eine Katze auf eine andere einlassen kann, hängt davon ab, wie gut sie andere Katzen kennt (Sozialisation), wie sie aufgewachsen ist, welche Erfahrungen gemacht wurden und natürlich vom Charakter, dem Alter, dem Geschlecht usw.
EMPFEHLUNG: Damit eine Vergesellschaftung gut klappt, sollte vorab professionelle Hilfe in Anspruch genommen werden, um einen „kompatiblen“ Artgenossen zu finden. Es ist ein Mythos, das Katzen mit jeder Katze zurecht kommen. Das zeigen die Anfragen wegen vollkommen missglückten Zusammenführungen! Wenn eine neue Katze einzieht, dann: Sollte der Neuzugang für mindestens 3 Tage in einem gesonderten Zimmer untergebracht werden, ohne Kontakt zu der alten Katze. Im Anschluss erfolgt eine langsame Zusammenführung. Ein sofortiges Zusammenlassen, das „Kennenlernen“ vor dem noch geschlossenen Transportkorb oder das „auskämpfen lassen“ sind Methoden, die niemals zu einer stabilen, freundlichen und freundschaftlichen Verbindung führen. Hier ist das Scheitern bereits vorprogrammiert.
Die Katze faucht Menschen an
Unsichere Katzen zeigen Angst oder Stress, wenn sich fremde Personen in ihrem gewohnten Revier aufhalten. Dadurch ist das sichere Umfeld (das Zuhause), für die Katze, nicht mehr sicher. Nicht jede Katze mag es von unbekannten Personen begrüßt oder angefasst zu werden. Die aufgezeigten Grenzen sollten respektiert und die Katze in Ruhe gelassen werden!
Das Fauchen deiner Katze sagt bei fremden Menschen: „Lass mich in Ruhe, ich habe Angst!“
EMPFEHLUNG: Wir entscheiden, wer uns begüßen, umarmen darf. Diese Entscheidung solltest du auch deiner Katze zugestehen. Wie nähert man sich einer Katze respektvoll?
Körpersprache und Kontext bei Katzen verstehen
Um das Fauchen bei Katzen richtig einzuordnen, solltest Du den gesamten Körperausdruck der Katze beobachten. Eine Katze, die faucht und zurückweicht, signalisiert meist Angst. Fauchendes Vorwärtsgehen hingegen kann auf Verteidigungsbereitschaft hindeuten. Auch der Schwanz verrät viel: Ein buschiger, nach oben gerichteter Schwanz kann Kampfbereitschaft signalisieren.
In Mehrkatzenhaushalten ist das Fauchen oft Teil von Konflikten. Deshalb kann es helfen, genau zu beobachten, ob das Fauchen präventiv (vorbeugend) oder reaktiv (als Reaktion auf einen Auslöser) erfolgt. Präventives Fauchen ist oft begleitet von starrer Körperhaltung, während reaktives Fauchen mit schnellen Bewegungen und Flucht verbunden sein kann.
Wer eine fauchende Katze bedrängt, riskiert eine Eskalation. Besser ist es, der Katze Raum zu geben und die Ursache zu analysieren.— Dr. Sandra Köhler, AniCura.de
Aktuelle Trends und wissenschaftliche Erkenntnisse
Die Nachfrage nach einer professionellen Verhaltenstherapie für Katzen wächst. Laut einer Umfrage des Deutschen Haustierregisters aus 2024 suchen inzwischen 18 % der Katzenhalter gezielt Hilfe. Über 60 % der gemeldeten „Fauch-Fälle“ betreffen Mehrkatzenhaushalte.
| Kategorie | Anteil | Jahr |
|---|---|---|
| Verhaltenstherapie gesucht | 18% | 2024 |
| Fauch-Fälle in Mehrkatzenhaushalten | >60% | 2024 |
| Zunahme seit 2021 | +6% | 2024 |
Langzeitstudien zeigen: Stressminimierung und strukturierte Rückzugsorte können die Häufigkeit von Fauchen um bis zu 40 % senken. Außerdem werden Online-Beratungen per Video-Call immer beliebter. Mehr Informationen zum Katzenverhalten findest Du auch auf Tierärzteverband.de.
Suche Dir bei Problemen sofort Hilfe, um schweren Verhaltensauffälligkeiten vorzubeugen. Häufig lassen sich Auseinandersetzungen reduzieren, wenn den Katzen mehr Raum gegeben wird, Ressourcen optimiert und die Grenzen der Katze akzeptiert werden. Benötigst Du Hilfe? Dann unterstütze ich Dich mit einer individuellen Beratung im Bereich artgerechte Katzenhaltung.
Richtig reagieren wenn eine Katze faucht – praktische Tipps
Wenn Deine Katze faucht, solltest Du:
- Ruhe bewahren. (nicht schreien, nichts werfen, nicht mit Wasser besprühen etc!)
- Abstand halten. (die Katze nicht bedrängen, sondern weggehen)
- Auslöser analysieren. (Versuche herauszufinden, warum Deine Katze faucht. Es gibt immer einen Grund)
- Langfristige Maßnahmen ergreifen. (Verbesserung der Haltung, des Umgangs, Abklärung organischer Ursachen)
- Tierarzt oder Verhaltenstherapeut einbeziehen. (Tierärztliche Untersuchung, Verhaltenstherapie)
Beispielsweise kann plötzliches Fauchen beim Streicheln auf Überreizung oder Schmerz hinweisen. Unterbrich sofort und beobachte Dein Tier. Zeigt die Katze weitere Anzeichen, sollte zeitnah ein Tierarzt konsultiert werden.
Weitere Informationen zur gezielten Verhaltensarbeit findest Du hier: Verhaltensberatung für Katzen.
Besonderheiten in Mehrkatzenhaushalten
In Haushalten mit mehreren Katzen ist es wichtig, Ressourcen zu trennen und deren Anzahl zu optimieren. Was für Halter*innen „ausreichend“ ist, ist für Katzen schlicht zu wenig. Experten empfehlen mindestens einen Rückzugsort pro Katze plus einen zusätzlichen neutralen Bereich. Außerdem sollte die Platzierung von Kratzbäumen, Spielbereichen und Cat-Walks so erfolgen, dass keine Engstellen entstehen.
Ein strukturierter Trainingsansatz mit positiver Verstärkung kann helfen, Spannungen zu reduzieren. Studien zeigen, dass strukturierte Spielzeiten in 78 % der Fälle aggressives Verhalten verringern.
Dein Weg zu einer harmonischen Beziehung ohne Probleme
Fauchen ist kein „böses“ Verhalten, sondern eine wichtige Kommunikationsform. Wenn Du lernst, es im Kontext zu verstehen und richtig zu reagieren, kannst Du Konflikte vermeiden. Außerdem stärkst Du das Vertrauensverhältnis zu Deiner Katze.
Indem Du die Signale Deiner Katze ernst nimmst und auf ihre Bedürfnisse eingehst, schaffst Du die Basis für eine langfristig stabile und liebevolle Beziehung.
Du brauchst Hilfe, weil Du bei Deiner Katze nicht weiter kommst und keine Lösung findest? Ich helfe Dir dabei das Verhältnis zu Deiner Katze zu verbessern und auffälliges Verhalten zu reduzieren.
